Pressekonferenz von SKIMO Austria 20.12.2022

Am 20.12.2022 fand im gewohnten Rahmen beim Autohaus SONNLEITNER in Salzburg die jährliche Pressekonferenz von SKIMO Austria statt. Mit Spannung erwartet wurden die Einschätzungen zahlreicher Experten über die Entwicklung der Sportart vor allem in und nach der Pandemie. Ein volles Haus zeugte vom großen Interesse, nach der Heranschaffung einiger zusätzlicher Stühle konnten die Besucher versorgt und die PK begonnen werden.

Der Skitourensport ist gut durch die Pandemie gekommen. Als Bezugsjahr für alle Aussagen der anwesenden Vortragenden galt der vergangene Winter 2021/22, aber natürlich wurde zumindest mit einem Auge auch in den aktuellen Winter geschielt, galt es doch, auch die Auswirkungen von zwei schwierigen Jahren einzuschätzen.

Am Ende dieses Textes sind die Präsentationsfolien der PK mit den Zahlen, Daten und Fakten als .pdf herunterzuladen.

Als Experten für drei verschiedene Themenblöcke durften begrüßt werden:

Themenblock 1: Wirtschaft

  • Irina Andorfer, DYNAFIT Sales Managerin für D/A/CH
  • Jens Oellrich, BERGZEIT Business Development Manager
  • Gernot Kellermayr, VSSÖ Statistikexperte

Themenblock 2: Tourismus

  • Roland Kals, 1. Vorsitzender des ÖAV Stadt Salzburg
  • Christian Schirlbauer, Geschäftsführer der Fereinregion Dachstein-Salzkammergut

Themenblock 3: Rennserie SKIMO Alpencup

  • Hannes Laner, OK Erztrophy Bischofshofen (AUT)
  • Gabi Schieder-Moderegger, OK Jennerstier Berchtesgaden (GER)

Demografie im Wandel

Den Einstieg in die PK wurde von SKIMO Austria Betreiber Karl Posch gestaltet. Als langjähriger  Kenner der Szene hat er die aktuellen Entwicklungen in der Zielgruppe der Tourengeher zusammengefasst.

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Karl Posch bei der Eröffnung der Pressekonferenz

Die Gesamtzahl der Protagonisten der Sportart ist somit in Österreich deutlich über die 700.000er Marke geschnellt. Die ist vor allem Corona zu verdanken, wie Posch erklärt:

„Während der Pandemie sind sehr viele Wintersportler ins Tourengehen neu eingestiegen oder haben die seit Jahren verstaubt im Keller lehnenden Tourenskier wieder aktiviert. Den Handel hat’s gefreut, denn die Umsätze im Segment waren außerordentlich hoch. Es ist aber zu vermuten, dass sich die Gesamtzahl wieder etwas nach unten bewegt, wenn ab diesem Winter auch der Alpinskilauf wieder auf Normalniveau läuft.“

Karl Posch

Der Trend zur Verjüngung der Zielgruppe hält weiterhin an, SKIMO Austria spricht von einem Durchschnittsalter von etwa 36 Jahren. Ebenso steigt der Anteil der weiblichen Tourengeherinnen weiter, er liegt gesamt betrachten um die 40% und bewegt sich in bestimmten Bereichen bereits über der 50% Marke. Interessant ist, dass sich die Sportart von dem durch die hohen Anschaffungskosten elitären Bereich langsam zum Massensport entwickelt. Möglich ist dies durch die Verbreiterung des Angebots durch die Hersteller.

Wirtschaft

Wie sich der Sport im vergangenen Winter wirtschaftlich entwickelt hat, das wurde von einer deutsch-österreichischen Expertenrunde zusammengefasst und verständlich heruntergebrochen.

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Die Wirtschaftsspezialisten vlnr.: Irina Andorfer, Jens Oellrich, Gernot Kellermayr

Irina Andorfer vom Bergsportanbieter DYNAFIT berichtete von herausfordernden, aber lohnenden Pandemiejahren. Mit weltweit gesamt in den Handel gelieferten etwa 340.000 Tourenskiern, 320.000 Tourenbindungen und 325.000 Tourenskischuhen ist ein Allzeithoch erreicht worden.

„In schwierigem Umfeld, verstärkt auch durch Lieferengpässe, wurde im letzten Winter ein extrem gutes Ergebnis erreicht. Das Wachstum wird sich zwar bestimmt verflachen, wir rechnen aber trotzdem langfristig mit einem konstanten Wachstum von knapp unter 10% p.a. für die nächsten Saisonen.“

Irina Andorfer

Spannender Weise gibt es große länderspezifische Unterschiede im Wachstum. Denn während Österreich massiv zulegte, ist der Trend in Deutschland abgeschwächt und in der Schweiz nochmal deutlich flacher.

Handelsspezialist Jens Oellrich vom deutschen Online-Riesen BERGZEIT ergänzte Zahlen, die von der Verkaufstheke kommen. Er bestätigte die Umsätze bei der Hartware und ergänzte, dass das Wachstum des Segments Tourenski bei unglaublichen 30% gegenüber Vor-Corona liegt. Auch Oellrich geht von einer Verflachung des Wachstums aus, das sich seiner Meinung nach beim Vor-Corona Neviau von rund 10% einpendeln wird.

„Der Onlinehandel war ein Profiteur der Pandemie. Der Wechsel von Offline zu Onlinehandel wird unserer Meinung nach weiterhin anhalten, vor allem auch weil die Verfügbarkeit von Waren durch größere Lager und breitere Vielfalt für den Kunden besser ist.“

Jan Oellrich

Dass die Lager im Handel übrigens gerade randvoll sind, ist der hohen Order nach dem letzten hervorragenden Winterverkauf geschuldet. Wie sich das auf die Preise auswirkt, wird sich zeigen.

Für den Verband des Sportfachhandels VSSÖ präsentierte Gernot Kellermayr Zahlen aus Österreich. Demnach liegt die Gesamtzahl der in Österreich verkauften Skier bei zuletzt 233.438 Stk und war rückläufig. Der Anteil der Tourenskier ist dabei aber sprunghaft auf ca. 28% nach oben geschnellt., ein Resultat der in der Pandemie schwächelnden Absatzzahlen bei Alpinskiern bei gleichzeitig hervorragend laufenden Tourenskiverkäufen. Der VSSÖ berichtet für 2021/22 von 61.400 Paar Tourenskischuhen und 65.000 Paar Tourenskiern, die in Österreich über den Ladentisch gingen.

„Wie sind nach der Gründung einer „Outdoor Group“ innerhalb des VSSÖ nun erstmals in der Lage, die FESI Zahlen umfassend auch für den Tourenskibereich zu kommunizieren. Das ist ein Meilenstein, denn der Outdoormarkt ist mit einem Volumen von EUR 622 Mio. und knapp 30% des gesamten Sporthandels ein enorm wichtiger Faktor für die Wirtschaft.“

Gernot Kellermayr

Abschließend gab Irina Andorfer noch einen Ausblick auf die erwartenden Trends im Bereich Skibergsteigen. Der Dauerbrenner Leichtigkeit bei Ausrüstung wird demnach zukünftig überlagert vom Kundenwunsch nach Komfort. Die Bewegung zu Familensport und mehr Jugend bei den Skitouren resultiert in der immer besseren Verfügbarkeit von mehrfach nutzbarer und nachhaltiger Sportausrüstung.

Tourismus

Den Themenblock Skibergsteigen im Tourismus wurde von Karl Posch mit einer Bestandsaufnahme der Vorurteile und wirtschaftlichen Fakten eingeleitet. Dem Apell zu Kommunikation, Kooperation und Mut bei der Umsetzung von Lösungen fügte er hinzu, dass seiner Meinung nach nur eine wirtschaftlich nutzbringende Integration des Skitourensports in den bestehende Wintersportwirtschaft schwelende Konflikte nachhaltig beenden kann. Als Best Practice Beispiele waren zwei Experten eingeladen worden, die ihre Lösungen skizzierten.

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Die Tourismusexperten Christian Schirlbauer und Roland Kals präsentieren

Für den Alpenverein der Stadt Salzburg präsentierte der 1. Vorsitzende Roland Kals das seit vielen Jahren erfolgreiche System der Bergsteiger-Dörfer.

„Wenngleich das Konzept teils nicht den Standard-Tourismus-Klischees entspricht, ist es doch ein wirkliches Erfolgsmodell. Im klassischen Musterdorf, dem Villgratental, werden jährlich bis zu 30.000 Nächtigungen nur mit Tourengehern erwirtschaftet.“

Roland Kals

Knapp 40 solcher Bergsteigerdörfer in den Ländern Österreich, Deutschland, Italien und Slowenien setzen sich ganz bewusst für die Umsetzung der Protokolle der Alpenkonvention zur nachhaltigen Entwicklung und zum Schutz der Alpen ein. Bergsteigerdörfer sind damit wesentlich mehr als nur Tourismusmodelle, sondern auch bewahrende Schutzräume. Trotzdem oder gerade deshalb ist aber auch die touristische Wertschöpfung eine wichtige Kenngröße des Modells geworden.

Anders gelagert ist das Modell „Sanfter Winter“ in der Ferienregion Dachstein-Salzkammergut, präsentiert von Geschäftsführer Christian Schirlbauer. Hier wurde in den letzten beiden Jahren bewusst auf Kommunikation und Kooperation mit den bestehenden funktionierenden Wintersportangeboten gesetzt.

„Unsere Region ist touristisch mit dem Weltkulturerbe-Ort Hallstatt gut etabliert, mit dem großen Skigebiet Dachstein West sind wir ein auch im Winter großer Anbieter. Das Modell „Sanfter Winter“ setzt in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen und mit markierten Routen auf die Integration des Tourensports in die bestehende Sport- und Tourismus-Infrastruktur.“

Christian Schirlbauer

Schirlbauer glaubt, dass zukünftig durch schwieriger zu handhabende Schneesituationen die Bedeutung eines vielfältigen Angebots wachsen werden. Dem Tourensport kommt dabei ob der bekannt hohen Zahlen eine große Bedeutung zu.

Rennserie SKIMO Alpencup

Den Bereich der Rennen, also einem Kernbereich von SKIMO Austria, deckten die Organisatoren der beiden in diesem Winter stattfindenden Rennen ab. Nur 2 Rennen gibt es heuer deshalb, weil die seit mehreren Jahren übliche Kooperation mit dem ISMF Weltcup durch neue Richtlinien des internationalen Verbandes nicht mehr möglich ist. Das langjährige Mitglied im Cup Marmotta Trophy in Südtirol ist deshalb heuer nicht dabei, richtet aber einen Weltcup aus. Der SKIMO Alpencup stellt traditionell die Ebene unterhalb des Weltcups dar und besteht aus Oberklasse-Rennen mit höchstem Anspruch. Wohl auch aus diesem Anspruch werden an den beiden Rennwochenenden insgesamt 5 nationale Meisterschaften mit-organisiert.

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Der SKIMO Alpencup 2023, vlnr: Gabi Schieder-Moderegger, Hannes Laner

Für die Erztrophy in Bischofshofen, Österreich, war Hannes Laner vor Ort und berichtete über die Pläne für die Veranstaltung.

„Neu ist heuer ein Business Race für 3er Teams, mit dem wir dem Trend zum Breitensport Rechnung tragen wollen. Neben der klassischen und schwierigen Erztrophy ergibt sich damit die Chance für jedermann, einmal Rennluft zu schnuppern.“

Hannes Laner

Die Erztrophy findet statt am Freitag 27.1.2023 mit einem Verticalrennen, am Samstag 28.1.2023 folgt die klassische alpine Erztrophy als Individualrennen und das angesprochene 3-er Teamrennen. Die Anmeldung zur Veranstaltung ist bereits geöffnet.

Den Jennerstier in Berchtesgaden, Deutschland, präsentierte OK-Chefin Gabi Schieder-Moderegger. Dort gibt es heuer eine Premiere.

„Erstmals auf deutschem Boden werden wir heuer ein Mixed Relay, also die olympische Disziplin, abhalten. Wir wollen damit den heimischen Sportlern die Möglichkeit geben zu sehen, was da 2026 in Mailand passieren wird.“

Gabi Schieder-Moderegger

Neben dem klassischen und schwierigen Jennerstier mit der berühmt-berüchtigten Spinnergraben-Passage am Sonntag 12.2.2023 wird also am Samstag 11.2.2023 ein neues Format abgehalten. Am gleichen Tag wird aber auch von den Berchtesgadenern ein 3-er Teamrenn abgehalten, also gibt es dort dieselben Chancen zur Beteiligung von Breitensportlern wie in Bischofshofen.

Die mit großem Interesse zuhörende Schar von Medienschaffenden hatte zum Abschluss der Pressekonferenz noch Gelegenheit, Einzelgespräche mit den Fachleuten vor Ort zu führen.

Danke an das fleißige Team von SKIMO Austria für die Vorbereitung, an die Partner für die Unterstützung (ganz speziell das Autohaus SONNLEITNER Salzburg), an alle Fachleute, die ihr Wissen zur Verfügung stellen und natürlich an alle Gäste und Medienschaffenden.

Bilder: Nils Lang

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