SKIMO Pressekonferenz: VOLLES Haus und erstmals LIVE

In der Vorweihnachtswoche lud SKIMO Austria zur jährlichen Pressekonferenz im Autohaus Sonnleitner in Salzburg ein. Zahlreiche Experten aus der Branche informierten in mehreren Themenblöcken rund um die positive Entwicklung im Skibergsteigen.

Zu Beginn präsentierte Karl Posch, Betreiber der Online Plattform SKIMO Austria, gemeinsam mit Gernot Kellermayr (Präsident VSSÖ, Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs), Irina Andorfer (Senior Sales Managerin Dynafit DACH) und Christian Hofstetter (Verkaufsleiter Bergzeit.at) aktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung im Winter 202/21. Im zweiten Teil der Pressekonferenz kamen die Veranstalter rund um den SKIMO Alpencup und des Weltcups im Martelltal zu Wort. Einen Einblick in die Entwicklung der internationalen Rennszene und in Richtung Olympische Spiele 2026 gaben Regula Meier (Präsidentin ISMF, International Ski Mountaineering Federation) und Hermann Gruber (Sportlicher Koordinator Skibergsteigen Deutscher Alpenverein, DAV) bevor am Ende noch Günter Karnutsch (Salzburg Alpin – Bergsteigerschule) und Wolfgang Wabel (Geschäftsbereichsleiter Bergsport Deutscher Alpenverein, DAV) den Bogen zum Breitensport behandelten.

Zwischen den einzelnen Themenblöcken gaben die Nationalteam-Athleten Jakob Herrmann (AT), Johanna Hiemer (AT), Antonia Niedermaier (DE), Nils Oberauer (AT) und Julian Tritscher (AT) und Paul Verbnjak (AT), Einblicke zu den bevorstehenden Rennwochenenden.

Die Pressekonferenz wurde heuer erstmals LIVE in ORF Sport+ übertragen und ist noch sieben Tage in der ORF TV-Thek unter diesem Link nachzusehen.

Demografie und wirtschaftliches Wachstum

Der Hype um das Thema Skitouren bricht nicht ab: Größter Zuwachs bei den Fitnessgehern, Frauen und Jugendlichen

„Skibergsteigen“, das Aufsteigen mit Steigfellen, abgeleitet vom internationalen „Ski Mountaineering“ und damit wörtlich richtiger als das umgangssprachliche „Skitourengehen“, ist in der Saison 2020/21 deutlich gewachsen.

Zuletzt ist die Zahl der Skibergsteiger auf ca. 700.000 (+10 % p.a.) aktive Sportler gestiegen. Dabei gab es einen deutlichen Zuwachs bei den rund 85.000 „Fitnessgehern“ (+5 %), für die der Aufstieg mit Fellen zum regelmäßigen Training gehört. Für Wettkampfsportler waren die Veranstaltungen aufgrund der Covid-Bestimmungen ausgefallen, davor lag die Anzahl bei ca. 6.000 Athleten und bis zu 120 durchgeführte Rennen in Österreich.

Der klassische Skibergsteiger ist meist ein Multisportler (Trailrunning, Mountainbike, etc.). Dabei ist Skibergsteigen mit einem Damenanteil von über 40% bei weitem keine männerdominierte Sportart mehr. Im Gegenteil: viele Frauen und vor allem junge Sportlerinnen und Einsteigerinnen finden Gefallen an der Sportart. Bei Touren im alpinen Skiraum (Pisten) liegt die Anzahl der weiblichen Sportlerinnen inzwischen bei 55% (Hauptmotive: Training und soziale Interaktion), während bei den Touren im freien Gelände das Verhältnis etwa 30% Frauen zu 70% Männern ist (Hauptmotive: Naturerlebnis, Gipfel). Das Durchschnittsalter der Skibergsteiger hat sich in den letzten Jahren von 40+ auf inzwischen aktuell 36 Jahre verringert, Tendenz weiter fallend.

Finanziell betrachtet ist der Skibergsteiger eine sehr lukrative Zielgruppe für den Handel. Früher belächelt, ist der Skitourengeher von heute gut situiert, hat ein höheres Einkommen und investiert – vom Trend zu Individualismus und Gesundheit getrieben – gerne Geld in die Ausrüstung. Der Handel hat dies erkannt und reagiert mit einem immer größer werdenden Produktsortiment: vom günstigeren Einsteigerset bis hin zur gewichtsreduzierten High-End-Ausrüstung für Tüftler und Spezialisten, sowie eigenen Damenlinien und professionellen Komplettlösungen für Jugendliche und Kinder.

Österreichischer Markt steigt überdurchschnittlich – größtes Wachstum in USA und Kanada

Das Wachstum im Skitourenmarkt hat sich im ersten COVID-Winter verschoben. In Ländern mit geschlossenen Skigebieten wuchs das Skibergsteigen überproportional. Das trifft auch für Österreich mit einem aktuellen Marktanteil von 17% zu. Größter Wachstumsmarkt international ist mit 18% USA und Kanada. Nach einem starken Anstieg in den letzten Jahren ist der deutsche Markt bei 13% stagniert. Ebenso gleich geblieben mit 12% sind die Marktanteile in den Skibergsteiger-Nationen Italien und Frankreich. Der Marktanteil der Schweiz ist – wegen geöffneter Skigebiete – leicht auf 11% gesunken.

Der weltweite Gesamtumsatz stieg mit einem Wachstum von 8% an verkauften Waren auf ca. EUR 980 Mio. (EUR 480 Mio. Hartware, EUR 500 Mio. Bekleidung) im Vergleich zum Vorjahr. Verantwortlich waren einerseits die pandemiebedingt geschlossenen Skigebiete der Saison 2019/20, andererseits aber auch ein geändertes Kaufverhalten der Zielgruppen (Verkürzung des Kaufzyklus) oder auch die innovative Produktanpassung des Handels an die Zielgruppen (Trend zu Sets, Sicherheit, Gewichtsoptimierung, Familie und Kinder).

In der Saison 2020/21 wurden in Österreich ca. 77.000 Paar Tourenski, ca. 96.000 Felle, ca. 68.000 Tourenbindungen und etwa 83.000 Paar Tourenskischuhe verkauft – ein deutlicher Aufwärtstrend in allen Bereichen (vgl. weltweit beispielsweise 320.000 Paar Tourenski, 305.000 Tourenbindungen), während der Verkauf von Alpinski – ebenfalls pandemiebedingt – gesunken ist. Insgesamt verzeichnete der österreichische Handel ein Plus an verkauften Waren von 18 %.

Wachstum bedeutet gleichzeitig Innovation und Reaktion auf die Wünsche des Marktes. Neben der hochwertigen und innovativen Technik der Hartware spielt dabei auch der Wunsch zur optisch abgestimmten Komplettausstattung bei der Bekleidung immer mehr Rolle. Irina Andorfer, Senior Sales Manager Dynafit DACH, bestätigt diesen Trend:

Wir sehen einen extremen Anstieg bei den weiblichen Skitourengeherinnen, im Bekleidungsbereich sprechen wir hier inzwischen von 50 %. Das hat natürlich dazu geführt, dass wir uns nicht nur in der Hartware auf die Nachfrage eingestellt haben, sondern auch im Bekleidungssegment und Kollektionen von „head to toe“ entwerfen. Zusätzlich hat Dynafit mit eigenen Kinderkollektionen reagiert, denn durch den stetig steigenden Frauenanteil ist es nun auch zu beobachten, dass vermehrt ganze Familien unterwegs sind.

Neben Dynafit passen sich auch die anderen namhaften Skihersteller dieser aktuellen Entwicklung an, was Clemens Nagiller, Market Manager von Atomic, betont:

Neben der stark ansteigenden Anzahl an weiblichen Tourengeherinnen und Familien – Trends die wir ebenso beobachten – teilen wir unsere Zielgruppen weiter auf in drei Gruppen: Den Newcomer, den Wiedereinsteiger und den Hybrid- oder Multisportler. Gerade das Segment der Newcomer ist enorm gewachsen. Dieser Gruppe versuchen wir als Atomic, den Einstieg möglichst einfach zu gestalten, beispielsweise mit dem passenden Equipment und umfangreicher Beratung, bei den Themen Material aber zum Beispiel auch Sicherheit.

Den Trend zum Multisportler sieht auch Fischer Sports. Christian Wimmer (Marketing Koordinator) bestätigt, dass das Kerngeschäft der Marke zwar noch der Langlauf sei, in dem Fischer Sports Weltmarktführer ist, jedoch der Kunde immer mehr nach den Schneebedingungen und aus seiner persönlichen Laune heraus entscheidet, welchen Sport er ausübt, darunter viel Skibergsteigen:

Mit unserem Sortiment können wir die drei Bereiche Skialpin, Langlauf und Tourenski gut abdecken, der Multisportler entscheidet dann selber, was er heute machen will. Das Fitnessstudio wird nach draußen verlegt, wenn der Schnee passt oder der Mädlsabend wird am Berg verbracht.

Auch Bergzeit.at Verkaufsleiter Christian Hofstetter bekräftigt das finanziell interessante Geschäft mit den Skitourengehern:

Der Online Handel, wie ihn Bergzeit.at betreibt, gehört zu den Gewinnern des letzten Jahres, weil der Kauf bei den stationären Händlern einfach oft nicht möglich war. Im Skitourensegment konnten wir unseren Umsatz nahezu verdoppelt. Wir sind uns aber auch bewusst, dass wir mehr als ein Online-Shop sein müssen, denn unsere Produkte sind beratungsintensive Produkte. Uns ist daher wichtig, auch online bestes Service und beste Beratung zu bieten.

So positiv die Zahlen klingen, Gernot Kellermayr (Präsident VSSÖ, Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs) mahnt an, dass das Skibergsteigen für den Österreichischen Handel durch das ansteigende Wachstum sehr wichtig, jedoch gesamt betrachtet trotzdem nur ein kleiner Rettungsanker für den Handel sei:

Vom Skibergsteiger profitiert hauptsächlich der regionale Handel. 44 % des Gesamtumsatzes in der Sportartikelbranche laufen jedoch über die touristischen Händler. Aufgrund der fehlenden Gäste und der geschlossen Grenzen fällt dieser große Prozentsatz gerade völlig weg.

SKIMO Austria Betreiber Karl Posch erwartet eine noch länger andauernde positive Bewegung: Der seit 2016 stetige Wachstum bei z.B. Dynafit im Skitourensegment von jährlich 5-10 % verdeutlicht die positive Zukunftsprognose von SKIMO, Industrie und Handel. Obwohl immer mehr Marken am Markt mitspielen, ist dennoch ein Wachstum möglich. Karl Posch sieht diese Entwicklung sehr positiv für den Endkonsumenten:

Skibergsteigen ist für Hersteller und Handel lukrativ geworden. Der sich anbahnende Trend zur Nachhaltigkeit, Tourengehen für Kinder und die steigende Zahl der weiblichen Tourengeher lassen noch viel Potential erwarten.

Alle Branchenvertreter waren sich bei der Pressekonferenz einig: Ein Ende der Aufwärtsspirale im Skibergsteigen ist nicht in Sicht. Dieses Sportsegment bietet noch viele Entfaltungsmöglichkeiten hinsichtlich Material, innovativer Lösungen und Erschließung neuer Märkte.

Ausgebuchte Ausbildungskurse: Trend in Richtung Sicherheit und Naturschutz

Aus Sicht der Alpinschulen und der Bergführer berichtet Günter Karnutsch (Leiter Bergsteigerschule Salzburg Alpin und langjähriger Präsident des Salzburger Bergführerverbandes) ebenfalls von einer positiven Tendenz im Problemfeld freier alpiner Raum:

Die Zahlen des Kuratoriums für Alpine Sicherheit zeigen deutlich ein Sinken der tödlichen Bergunfälle im Winter. Den unvorbereiteten und schlecht ausgerüsteten Tourengeher gibt es nur mehr im Einzelfall. Wir sehen auch, dass unsere Ausbildungskurse immer nahezu ausgebucht sind.

Je mehr Personen in der freien Natur unterwegs sind, desto wichtiger ist es auch, deren Bewegungen zu kanalisieren, wie Wolfgang Wabel (Geschäftsbereichsleiter Bergsport, DAV) berichtet:

Ein Motivationsgrund für den Tourengeher ist das Naturerlebnis. Um die Natur nachhaltig intakt zu halten, haben wir die Kampagne „Natürlich auf Tour“ gestartet. In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Interessensvertretern vor Ort haben wir auf diesem Weg etwa 500 geprüfte Touren entworfen, die begangen werden können und die Vereinbarkeit zwischen Sportausübung und Naturschutz gewährleisten.

Nationale und internationale Rennszene

ISMF Weltcup Marmotta Trophy im Rahmen des SKIMO ALPENCUP

Der SKIMO Alpencup findet seit 2001 statt, mit einer COVID-bedingten Absage im letzten Jahr. Er besteht auch heuer aus drei Stationen. Den Auftakt macht die Erztrophy in Bischofshofen (AUT) am 22. Jänner (Vertical) und 23. Jänner 2022 (Individual). Im Anschluss folgt der Jennerstier in Berchtesgaden (GER) am 19. Februar (Sprint, Staatsmeisterschaft AUT und GER) und 20. Februar 2022 (Individual, Staatsmeisterschaft GER), gefolgt von der Marmotta Trophy im Martelltal (ITA) von 18. bis 20. März 2022. Dass sich das Konzept, ein Veranstaltungsformat auf Weltcup-Niveau, erfolgreich durchgesetzt hat, bestätigt die ISMF (International Ski Mountaineering Federation) mit der heute bekannt gegebenen Vergabe des Weltcup an die Marmotta Trophy in Südtirol. Damit geht zum vierten Mal in Folge der Weltcup an ein Rennen im SKIMO Alpencup. So findet am 18. März der ISMF Weltcup Sprint statt, am 19. März das ISMF Individual und am 20. März 2022 der SKIMO Alpencup (Individual, Jugendmeisterschaft ITA)

Der österreichische Top-Athlet, Jakob Herrmann, ist ebenfalls vom Austragungsort begeistert:

Eigentlich bin ich im Herzen ein halber Südtiroler. Die Marmotta Trophy ist für mich die schönste Veranstaltung im Weltcup. Das hochalpine Rennen bietet landschaftlich eine großartige Strecke und auch die Organisation lässt keine Wünsche für uns Athleten übrig. Ich freue mich schon sehr auf diese Weltcup Station.

Seine Teamkollegin Johanna Hiemer ergänzt:

Mit 7 Stationen im Weltcup ist der Rennkalender diesen Winter sehr voll, aber auf die Marmotta freue ich mich besonders.

Skibergsteigen Olympisch 2026

Lob für die Vorreiterrolle in der Entwicklung des Skibergsteigens im deutschsprachigen Raum kam von der Präsidentin der ISMF (International Ski Mountaineering Federation), Regula Meier, die aus der Schweiz zugeschaltet worden ist. Trotzdem sei bis Olympia 2026 noch viel zu tun:

Wir müssen bis dahin unsere Sichtbarkeit in den Medien noch deutlich erhöhen. Ein erster Schritt ist durch die Kooperation mit Eurovision Sports gelungen. Das letzte Weltcuprennen wurde im Sprint und Vertical erstmals in ausgewählten europäischen Ländern wie Polen, Finnland, Schweden und Frankreich live übertragen, weitere folgen an den nächsten Weltcup Stationen. Aber vor allem in den asiatischen und nord- und südamerikanischen Märkten ist noch viel aufzuholen.

Die Notwendigkeit einer Steigerung der Visibilität bestätigt auch Hermann Gruber (DAV Leistungssport Skibergsteigen), fordert aber hinsichtlich olympischer Entwicklung auch eine Gestaltung von nachhaltigen Strukturen:

Im DAV ist es uns sehr wichtig, umfassende Jugendarbeit zu leisten, damit die Athleten gerade jetzt auf ihren Weg zu den Olympischen Spielen professionell Leistungssport betreiben können, aber auch danach noch im Verband bleiben.

Rund 40 Personen aus Presse, Wirtschaft, Handel und Sport waren persönlich bei der Pressekonferenz anwesend, die Liveübertragung im ORF Sport+ war dazu die ideale Ergänzung. Karl Posch zieht daher ein außerordentlich positives Resümee der Veranstaltung:

Das große Interesse an dieser Präsentation zum Thema Skibergsteigen ist ein Zeichen der gerade laufenden Entwicklung. COVID ist für uns alle eine große Belastung, Individualsport wie das Tourengehen profitiert aber. Die langjährig nach oben zeigende Kurve der Sportart scheint in der momentanen Situation ein sicherer Faktor in Wirtschaft und Tourismus zu werden. Der Schwung wird vielerorts genutzt, die Aussichten sind besser denn je.

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