Innovation am Markt für alle: Dynafit Hoji Testbericht

Wenn Innovator Fritz Barthel in die Klaviatur seiner Innovationsmaschine greift, dann kommt immer was interessantes dabei raus. Und wenn ein Freerider wie Eric „Hoji“ Hjorleifson auch mitmischt, dann sollte es noch spannender sein. Aus der Verbindung der beiden entstand ein Produkt der Liebe….der neue Dynafit Hoji.

Erster Eindruck

So weit so gut. Als der Schuh bei uns in der Redaktion eingetroffen ist, war – ganz ehrlich – die Begeisterung erstmal nicht so gewaltig. In einer Zeit, in der man aus dem Rennlauf super funktionierende Zweischnaller mit niedrigstem Gewicht kennt, schmeißt der Marktführer einen Schuh auf den Markt, der 3 Schnallen und einen vergleichsweise massiven Strapper hat und auch nicht besonders leicht ist? Häh? Wo ist da die Innovation?

Nach kurzer Beratung mit unseren Testern haben wir die Vorurteile aber verdrängt und sind ausgerückt. Und haben gelernt: never charge a book by it’s cover!

Die Innovation: Ja, Hoji kann den breiten Markt erobern!

Die Überraschung kam in der Botanik beim Dynafit Hoji Testbericht. Einstieg in den Schuh, herumprobieren…naja, alles normal. Plötzlich machts aber „Klick“ in den Hirnwindungen. Die Geschichte beim Hoji ist nämlich die: die obere Schnalle ebenso wie der Strapper werden gemeinsam mit dem Fixierungshebel gespannt.

Einhandbedienung...notfalls auch mit dem Skischuh
Einhandbedienung…notfalls auch mit dem Skischuh

Und: DAS FUNKTIONIERT VOLLGAS! In der Praxis heißt das, dass der Schuh zu Hause angezogen wird, einmal eingestellt und der gesamte Aufstieg mit einer Aufstellung gegangen wird. Die Umstellung auf Abfahrt bedarf dann WIRKLICH nur des Umstellens des Fixierungshebels. Klack, und alles passt, bereits zur Abfahrt. Dieses Versprechen haben bisher viele Schuhe gegeben, die Umsetzung war aber meist mangelhaft.

Der Dynafit Hoji hat in der Kombination der Passform, der Spannwege der Schnallen und eines gut handhabbaren Fixierungshebels das leidige Problem gelöst. Barthel und Hjorleifson haben sich mit der Thematik offenbar intensiv auseinandergesetzt. Tatsächlich ist es so, dass der Schuh die Einstellmöglichkeiten eines Pistenskischuhs mit dem Komfort eines sportlichen Touren-Schuhs vereint. Und sich dabei zwischen dem brachialen Dynafit Vulcan (ca. 1.620 schwere Gramm) und dem Dynafit TLT7 (1.130 Gramm) einreiht.

Feel the Snow, Hoji!

Für den Dynafit Hoji Testbericht haben wir uns gleich mal das Gelände ausgesucht, für das er angepriesen wird: Aufstieg im Gelände, Abfahrt auf der Piste.

Schale völlig öffenbar
Schale völlig öffenbar

Der Einstieg in den Schuh ist gewöhnungsbedürftig, es geht hübsch eng her. Und wenn man drin ist, sollte man auch einen schmalen Fuß haben. Die natürlich relativ enge Passform hat aber auch was Gutes: ein Hin- und Her-Rutschen gibt’s praktisch nicht, Blasengefahr ist minimal. Speziell im Bereich der Ferse ist die Passform aber seeeehr dem Körper angepasst. Dafür kann man die Schale völlig öffnen, um den eher schwierigen Einstieg zu erleichtern.

Wie erwartet bedarf das Schließen der 3 Schnallen und des Strappers doch einige Handgriffe mehr, als man das von sportlichen Tourenskischuhen gewohnt ist. Aber: dafür kann man überraschend viele Faktoren der Passform verändern…man fühlt sich irgendwie an einen guten Pistenskischuh erinnert.

Original Dynafit Inserts
Original Dynafit Inserts

Dann die erste positive Überraschung: der Einstieg in die Bindung (nicht Dynafit!) war super einfach. Die Originalen Dynafit Inserts machen sich bezahlt!

Die nächste Freude hielt länger an: der Aufstieg mit dem Schuh ist (unerwartet) hervorragend. Während einem beim Zumachen mit Freeride-/Pistenschuhfeeling eine unangenehme Vorahnung über möglicherweise fehlenden Aufstiegskomfort beschleicht, tritt das Gegenteil ein. Im Dynafit Hoji Testbericht hat dieser eine geradezu perfektes Gefühl vermittelt. Eine sehr leichte Schaftrotation von lt. Dynafit 55° ist absolut ausreichend für die normale Bewegung. Die Speednose (das ist die aktuelle Dynafit Spitze ohne Sohlenrand) ermöglicht das zurückrutschen der Inserts um den einen oder anderen Millimeter, was sich auch positiv bemerkbar macht. Und ganz wichtig: der Schaft ist trotz des Hoji- Mechanismus weit genug, um nicht einzuengen, auch bei dickeren Wadeln.

Die innovative Verriegelung im Schaft
Die innovative Verriegelung im Schaft

Der größte Wow-Effekt im Dynafit Hoji Testbericht war allerdings die Abfahrt. Eine neuartige Verriegelungsmechanik stützt den Schaft ganz anders ab als sonst gewohnt. Ein Bolzen drückt hinten spielfrei auf einen Stahlstift, anstatt in einen Schlitz, Loch o.ä einzugreifen wie sonst üblich. Dazu kommt, dass die Begrenzung der „nach vorne“ Bewegung durch einen Anschlag im Schaft realisiert wird. Das alles resultiert in zwei erstaunlichen Dingen: die Unterschale wird nicht mehr aufgewölbt, wenn man ordentlich Druck gibt und der Schuh ist steif – nein supersteif – in der Abfahrt. Rückwärts praktisch Null Bewegung, nach vorn sehr wenig. Und ein Spiel wie bei anderen Schuhen üblich gibt’s auch nicht. Ein derartiges Gefühl von fixiert sein (bei 11°) kennt man sonst ausschließlich von Pistenskischuhen. Sensationell und außergewöhnlich!

Zahlen und Fakten

  • Der Dynafit Hoji kommt im Winter 2018/19 auf den Markt.
  • Gewicht: 1.450 Gramm pro Schuh bei Größe 27
  • Größen: Herren 25 – 30,5 (+ halbe Nummern), Damen 22,5 – 27,5 (+ halbe Nummern)
  • Preis: 649,– Euro
  • Hier geht es zur Webseite des Schuhs

Nachteile

Auch wenn in Summe nur einige Stunden von wenigen unterschiedlichen Testern auf unserem Modell drauf sind, einige wenige Minuspunkte erlauben wir uns anzuführen:

  • Der Einstieg ist super eng und eigentlich schwierig. Durch die Bauweise mit den vielen Schnallen ist der Einstieg trotz der totalen Öffenbarkeit der Schale nichts worauf man sich freut. Gleiches gilt fürs ausziehen.
  • Scheuerspur am Innenschuh
    Scheuerspur am Innenschuh

    Schon nach nur 2 Touren zeigten sich erste Scheuerspuren am Innenschuh. Es zeigte sich, dass Nieten an der Innenseite des Schuhs ein bisserl vorstehen…nicht ideal. Pads zum Abkleben solcher Scheuerstellen liegen der Verpackung allerdings bei.

  • Der große Nachteil ist einer, der eigentlich keiner ist, und hoffentlich nachgebessert wird. Wenn man den Hoji erst einmal verstanden hat – als Schuh, der Renntechnik auch für Otto Normalverbraucher und Freerider aller Skill-Stufen zugänglich macht, fehlt Entscheidendes. Der einerseits höchst universelle Schuh für Aufstieg und Abfahrt kann leider nicht für Pistenbindungen und auch nicht für die Marker Kingpin oder die Atomic Shift verwendet werden! Es fehlt nämlich einerseits der Sohlenrand vorne (jaja, weil der Drehpunkt…Alleinstellung….etcetcetc) und eine Gripwalk Sohle ebenfalls. Würden diese beiden Dinge beim Hoji auch noch untergebracht, dann wäre er die Eierlegende Wollmilchsau des Tourensports. Endlich ein Schuh, der eine „One For All“ Lösung für den Skisport erahnen lässt. Ein Skischuh für Alpinen Skilauf und Tourensport, ohne die jeweiligen wichtigen Basics zu verlieren. Bitte, Fritz und Eric: setzt Euch nochmal zusammen und macht den Sack zu!

Fazit des Dynafit Hoji Testbericht von SKIMO Austria

Mit dem Hoji ist Dynafit ein großer Wurf gelungen. Wir geben zu, dass wir zuerst nicht mit dem großen Potential gerechnet haben, aber er ist tatsächlich ein sehr guter Alroundschuh mit hervorragenden Eigenschaften. Er spricht nicht die Renncommunity, sondern den Universalisten an. Die Pistenskischuh-ähnliche Steifigkeit wird zusätzlich ein großer Pluspunkt für viele Neueinsteiger in den Tourensport sein.

Vision: dem Hoji ist zuzutrauen, mit wenigen Modifikationen eine wirkliche Universalwaffe für Pisten- und Tourenfahrer zu werden. Schaun wir mal, ob Dynafit in diese Richtung weitergehen will und kann.

 

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