Nachruf auf Alexander Fasser

Am 2.9.2021 ist der Lermooser Sportler Alexander Fasser im Alter von 46 Jahren verstorben. Im Skibergsteigen hat Fasser die internationale Präsenz Österreichs in den 2000er und 2010er Jahren stark geprägt. Auch nach seinem Karriereende 2016 war Fasser einer der bekanntesten Namen in der heimischen Wettkampf-Skibergsteiger Szene.

Die Nachricht vom Tod Alexander Fassers war ein Schock. Trotz der seit vielen Jahren bekannten schweren gesundheitlichen Probleme war die Tatsache unerwartet eingetreten. Ironischerweise gerade mal 1 ½ Monate nach der Bekanntgabe der Aufnahme seiner geliebten Sportart Skibergsteigen zu den Olympischen Winterspielen 2026 hat Alex seinen ganz persönlichen Kampf verloren.

alexander fasser mountainbike bild privat
alexander fasser mountainbike bild privat

Als Alex Fasser als gut 30-jähriger Mountainbiker 2006 bei den Skibergsteigern auftauchte, war seine Karriere keineswegs vorgezeichnet. Der gelernte Maurer der früher „Zitat Fasser: …jeden Tag einen Scherz Leberkäse gegessen hat…“ und für den Sport nur wenig Verständnis hatte, hatte einen Wandel um 180° hingelegt und präsentierte sich als erfolgshungriger und kraftstrotzender Anreißer. Trotz seines „fortgeschrittenen“ Alters wurde sein Potential sehr rasch erkannt, mit dem Organisator des Tiroler Skitourencups Werner Brugger fand er zudem einen wichtigen Fürsprecher.

Konsequenter Weise wurde er 2007 in das „ASTC Powerteam“ aufgenommen, aus dem nur eine Saison später die Österreichische Nationalmannschaft Skibergsteigen entstand. Schon damals fiel Alex nicht nur durch seine höfliche und freundliche Erscheinung auf, sondern auch durch seine Zielstrebigkeit und den großen Trainingsfleiß. Inmitten von Urgesteinen wie Martin Hornegger und Markus Stock zeichnete sich mit ersten Erfolgen bald ab: aus dem kann was werden.

Die Gründung der Nationalmannschaft 2008 unter dem damals auch noch als Wettkämpfer aktiven Trainer Alexander Lugger im Verband ASKIMO bot Fasser dann die Möglichkeit, sich auch international zu messen. Im Weltcup konnte er sich bei seinem ersten Bewerb in Madonna di Campiglio (ITA) auf Anhieb auf Platz 14 einreihen und bewegte sich in der Folge stabil auf diesem Niveau. Das damalige Credo der Österreicher „gut, wenns schwierig ist und harte Abfahrten dabei sind“ verkörperte er – trotz wachsender Vorliebe fürs Vertical – voll und ganz. Platz 9 in Tromsö (NOR) 2013 war schließlich das endgültige Ankommen in der Weltspitze. Parallel lief es national hervorragend, Fasser war auf praktisch allen Stockerln des Austria Skitour Cups ASTC zu finden, insgesamt 7 Meistertitel gehen auf seine Kappe.

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Nach dem Erfolg in Tromsö 2014, zusammen mit Martin Weisskopf _ Bild Stephan Mantler

Überaus konzentriert widmete sich Fasser seiner Karriere, sicherlich eines seiner Markenzeichen. Vielleicht kann man sogar sagen, er war der erste Österreicher, der in großem Ausmaß sein Leben an den Leistungssport angepasst hat. Und das lange, bevor es Kaderplätze und Berufssportmöglichkeiten für Skibergsteiger gab. Akribie bei Training, Zeitplanung und Ernährung und eine große Leidensfähigkeit waren die Basis für eine beachtliche Sportkarriere, ermöglicht durch ein harmonisches und sport-angepasstes Familienleben. Leider zeigten sich für Fasser auch negative Auswirkungen der intensiven Beschäftigung mit dem Sport. Erste Anzeichen waren beim Rennen Champ Or Cramp in Spittal an der Drau im Jänner 2013 zu sehen, das er nicht beendete …völlig untypisch für den Kämpfer Fasser. Ab der Saison 2014/15 durchgeführte umfangreiche medizinische Konsultationen waren unterbrochen von wechselnd erfolgreichen Versuchen, im Leistungssport verankert zu bleiben. Letzter internationaler Auftritt war der Weltcup bei der Marmotta Trophy (ITA) im Februar 2015.

Zum Saisonbeginn 2015/16 erfolgte nach der medizinischen Diagnose einer Herzschwäche dann der offizielle Rücktritt. Die angeschlagene Gesundheit war damals von Freunden und Weggefährten mit einem bestehenden Gewichtsproblem in Verbindung gebracht worden. Diese Tatsache für sich alleine beschreibt viele Wettkämpfer in Ausdauersportarten. Für Fasser wurde dieses besagte Problem aber im Laufe der Jahre immer deutlicher und bedrohlicher, anstatt sich nach dem Rücktritt und Wiedereinstieg ins „Nicht-Leistungssport“ Leben zu normalisieren. Nach außen in den kommunikativen Phasen immer positiv, verschlechterte sich sein Zustand in Auf- und Ab- Bewegungen sichtlich. Die eindeutige Diagnose des Krankheitsbildes Anorexie und das eigene Bekenntnis dazu halfen Therapien anzusetzen und vermochten zwar bei den Begleitern in der eigenen Familie Kraft und Verständnis aufzubringen, konnten den negativen Trend aber letztlich nicht stoppen.

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Alexander Fasser in Tromsö 2012 _ Bild Stephan Mantler

In die Zukunft schauen, Möglichkeiten für „die Zeit nach der Krankheit“ auszuloten, das tat Fasser in seinen Gesprächen mit Weggefährten bis zuletzt. Wie ernst es um ihn stand und was er tagtäglich über Jahre hin ausstehen musste, wussten vermutlich nur er und seine engsten Vertrauten. Am 2.9.2021 abends hat der Leidensweg des Kämpfers Alexander Fasser geendet.

Unvergessen.

Karl Posch
für das Team von SKIMO Austria

Platzierungen Alex Fasser (ohne Gewähr):

Rang 14 – Dolmiti di Brenta, 2008
Rang 22 – Val d’ Aran, 2008
Rang 26 – Civetta Ski Raid, 2008
Rang 16 – Valtellina Orbie, 2009
Rang 13 – Dachstein Xtreme, 2009
Rang 16 – Ski Alp Race Dolomiti di Brenta, 2010
Rang 8 – Marmotta Trophy 2012
Rang 11 – Marmotta Trophy 2012, Individual
Rang 9 – Weltcup Tromsö 2013, Individual
Rang 26 – SkiAlp Race Ahrntal 2013, Individual
Rang 17 – Weltcup Font Blanca 2013, Individual
Rang 2 – Marmotta Trophy 2013, Individual
Rang 1, österreichischer Meister – Hohe Tauern Trophy 2013
Rang 16 – Weltcup Tromsö 2013
Rang 1 – Davos Race (SUI) 2014
Rang 1 – Achensee Rofanaufstieg 2014
Rang 1 – Pizol Altiski (SUI) 2014
Rang 1, österreichischer Meister – Erztrophy Bischofshofen 2014
Rang 13 – EM Andorra 2014, Vertical
Rang 17 – EM Andorra, 2014, Individual
Rang 26 – Weltcup Les Diablerets 2014, Vertical
Rang 1 – Ramskull Trophy, 2014 (Gargellen/Vlbg.)
Rang 6 – Night Attack Flumersberg (SUI), 2014
Rang 1 – Marmotta Trophy 2014, Individual
Rang 10 – Weltcup Tromsö 2014, Individual
Rang 19 – Adamello Ski Raid, Ponte di Legno (ITA) Team mit Johannes W., 2015
Rang 3 – Hohe Tauern Trophy 2015