SKIMO Austria Interview mit Oscar Angeloni

Knapp vor dem ersten Weltcupbewerb der Saison in Val Thorens (FRA) möch´ten wir unseren Lesern ein besonders Interview zukommen lassen. Der bekannte italienische Skibergsteiger-Trainer Oscar Angeloni ist nach China gewechselt und wir haben ihn nach seinen Perspektiven gefragt.

Der 50jährige Angeloni hatte in den letzten Jahren immer wieder von sich reden gemacht. Zwischen 2008 und 2014 hatte er als Cheftrainer das Italienische Nationalteam von einem Erfolg zum nächsten gebracht. Nach dem Wechsel in die Schweiz – hier war er als Trainer von 2016 bis heuer im Frühling – schien es auch dort so, als ob alles gelingen würde. Heuer im Sommer wurde nun der Wechsel zum Chinesischen Nationalteam bekannt. Hier das Interview, das wir wegen der schwierigen zeitlichen und geografischen Situation schriftlich gemacht haben.

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Oscar Angeloni in China bild privat

Du giltst als einer der erfolgreichsten Trainer im Skibergsteigen. Wie bist Du zu diesem Sport gekommen und was hat Dich zum Trainerjob gebracht?

Ich komme aus Belluno in den Dolomiten, ich war dadurch schon seit frühester Jugend Skifahrer. Mit 18 hatte ich dann genügend Geld, um mir eine Tourenausrüstung zu kaufen. Ich habe dann sogar einige Wettkämpfe bestritten, war aber nur ein guter Amateur. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich den Sport studiert habe und begonnen habe, junge Athleten zu trainieren. Zuerst im lokalen Sportverein, danach hatte ich Glück und wurde als Trainer ins Italienische Jugend-Nationalteam berufen, später dann in die allgemeine Klasse. Nach sechs Jahren in dieser Position bekam ich ein Angebot aus der Schweiz, das ich angenommen habe. Im heurigen Sommer ist nun die Chinesische Bergsportvereinigung an mich herangetreten und ich habe mich entschieden, ein fantastisches Abenteuer mit dem Chinesischen Team anzugehen.

Deine Fähigkeiten als Trainer sind erstmals beim „Italienischen Wunderteam“ aufgefallen, das unter Deiner Leitung ausnehmend großen Erfolg hatte. Was war das Geheimnis dahinter?

Viel Arbeit und ein bisschen Glück. Ich habe versucht, eine harmonische Gruppe von Sportlern zu formen.

Dann hast Du Italien in Richtung Schweiz verlassen und die erfolgreiche Arbeit fortgesetzt. War die Arbeit anders in der Schweiz?

In der Schweiz war alles anders. Die Schweizer haben eine andere Kultur als Italiener, und auch der nationale Verband hat eine andere Art zu arbeiten. Die erste Saison war schwierig, vielleicht auch wegen der unterschiedlichen Sprachen. Ich habe dann ganz einfach versucht die Methoden dahingehend zu ordnen, damit die Athleten die Möglichkeit haben, das Beste zu geben.

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Oscar Angeloni als Trainer in Action bild privat

Ab dieser Saison trainierst Du das Chinesische Nationalteam. Ein großer Schritt…wie lange läuft Dein Trainervertrag und wirst Du nach China übersiedeln?

Mein Vertrag mit dem Chinesischen Nationalteam läuft bis zum Ende der Saison 2026, also bis nach den olympischen Spielen. Ich war eine Zeit lang in China um die Auswahl der Athleten vorzunehmen, jetzt wird das Team für die gesamte Wintersaison nach Italien übersiedeln um am Weltcup und den Welteisterschaften teilnehmen zu können.

Was ist die aktuelle Situation im Chinesischen Nationalteam und wie willst Du dort eine Entwicklung starten? Wird China bald das nächste Italien und die nächste Schweiz sein und im ISMF Weltcup Medaillen abräumen?

Es gibt viel zu tun mit den Chinesischen Athleten, sie haben gute Maschinen, aber die Technik ist verbesserungswürdig. Ich habe Sportler die aus unterschiedlichen Sportarten kommen. Kraftsport, Langlauf, Biathlon, aber nur wenige sind bereits als Skibergsteiger aktiv. Ich glaube es wird viel Zeit und Arbeit kosten, um Medaillen erringen zu können. Die Leistungen von Italien und der Schweiz zu erreichen ist vielleicht eine Mission Impossible, aber der Gedanke steigert meine Motivation.

Wie schätzt Du die Chancen von China im Skibergsteigen bei der Olympiade 2026 ein?

Ich glaube, dass China zur Olympiade fährt um für gute Ergebnisse auch zu kämpfen. Keine Ahnung was wir erreichen werden, aber große Träume kosten nichts. Ich kenne mich selbst gut und ich strebe immer ganz nach oben.

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Das Wettkampfskibergsteigen hat sich in den letzten Jahren von den Bergen in Richtung Skipisten entwickelt. Die Entscheidung des IOC im Sommer, das Individualrennen für 2026 aus dem Programm zu werfen ist der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung. Das stößt zwar viele Bergsteiger vor den Kopf, aber glaubst Du, dass das eine breitere und vielfältigere Rennszene bringen kann?

Wir sollten das IOC oder so manchen internationalen Wintersportverband fragen, warum sie die Entscheidung getroffen haben, das Individual aus dem Programm zu entfernen und die Zahl der Athleten zu reduzieren. Ich bin nicht glücklich mit dieser Entscheidung des IOC, das Individualrennen sollte genau so repräsentiert sein wie bei den YOG. Aber ich bin glücklich, dass Skibergsteigen überhaupt in Mailand/Cortina 2026 präsent ist. Mit dem Sprint und dem Mixed Relay Rennen haben viel mehr Nationen als bisher die Chance, auf das Podium zu gelangen. Wir werden mit Sicherheit einige Überraschungen erleben.

Wenn man die Entwicklung bei Olympia betrachtet, werden da 2026 vielleicht auch Außenseiter auf Top-Plätzen landen?

Ganz bestimmt, wir werden ganz neue Nationen im Finale des Sprint Rennens sehen. Mehrere kleine Skibergsteiger-Nationen arbeiten auf dieses Ziel hin.

Was ist Deine persönliche Einschätzung über die Entwicklung des Skibergsteigens in Wettbewerben?

Ich glaube, dass die Olympischen Spiele die Sportart weiterentwickeln werden, vielleicht wird es auch eine Olympische Disziplin geben wie im Triathlon und Mountainbiken. Ich glaube aber auch, dass wir eine große Rennserie erhalten müssen, in der die Geschichte des Sports bewahrt wird. Das gibt es sogar im Langlauf mit dem Weltcup und den Visma Classic Rennen, warum sollte das im Skibergsteigen nicht auch funktionieren? Viel wurde erreicht in den letzten 20 Jahren, aber es gibt auch noch viel zu tun. Ich hoffe, meinen Beitrag für den Sport zu bringen, indem ich ein neues Nationalteam in den Rennzirkus bringe und damit die sportlichen Grenzen über die Alpen hinaus erweitere.

Die interessanten Antworten hat Oscar Angeloni ergänzt mit einem denkwürdigen Sager:

Ich fühle mich grade sehr wie Tom Cruise auf einer Mission Impossible, aber man weiß ja, zum Schluss enden diese Filme immer gut.

Karl Posch für SKIMO Austria

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