Toni Palzer: vom Skibergsteigen in den Radsport

Ein „Howedere mitanonda!“, ein spitzbübisches Grinsen und ein lockerer Spruch – so kennen wir Toni Palzer. Gestern hat der 27-jährige Toni, einer der weltbesten Skibergsteiger, seinen Rücktritt nach der kommenden Saison bekannt gegeben.
2016 Jennerstier 2016 Sieg Toni Palzer Bild Karl Posch
  • WC Mondole Sprint Palzer 2 Foto Willi Seebacher LR
  • 2017 Jennerstier 2017 Sieg Toni Palzer Bild Karl Posch
  • 2016 WC Tambre ITA 2016 Toni Palzer 2 Bild Karl Posch
  • 2016 WC Salvan Les Marecottes 2016 Toni Palzer 3. Platz Vertical Foto Karl Posch LR
  • 2016 WC Salvan Les Marecottes 2016 3. Platz Toni Palzer Vertical Foto Willi Seebacher LR

Er wird mit Frühjahr 2021 das sportliche Lager wechseln und wird Radsportler. Eine Entscheidung, die über die letzten Monate gereift ist. Nach der anstehenden Winter-Saison als Skibergsteiger wird er ab April 2021 für das Team BORA– hansgrohe in der UCI World Tour an den Start gehen. Die erste Info zu diesen News kam gestern über Toni selber und in Form einer offiziellen Presseaussendung, die wir für euch online gestellt haben. Hier der Link dazu.

Den „Donei“ kennt man einfach in der Szene und darüber hinaus – und er wird ihr fehlen: nicht nur wegen seiner Erfolge, sondern auch wegen seiner Persönlichkeit. Wenngleich wir den Ramsauer Ausnahmeathleten nun noch eine Wintersaison mitbegleiten dürfen, so möchten wir trotzdem die gestrige Rücktrittsankündigung als Anlass nehmen, die vergangenen Jahre etwas Revue passieren zu lassen, mit Erinnerungen von einigen Wegbegleitern und Geschichten zu seinen Anfangsjahren als Skibergsteiger. Mit einer Bildergalerie von 2010 bis 2020 :)

 

Berge als Spielplatz für den kleinen Donei…

2013 WM Pelvoux FRA 2013 Vertical Toni Palzer 2 Foto Werbegams

WM Pelvoux (FRA) 2013. Foto Werbegams.

Einer, der neben seinen Eltern „Schuld“ daran ist, dass Toni schon früh mit dem Bergsport begonnen hat, ist der Watzmann. In seinem Heimatort Ramsau im Berchtesgadener Land ist das Watzmann Massiv zum Greifen nah, die Berge direkt vor der Haustüre sind von klein auf Tonis Spielplatz. Unterstützt durch seine Eltern – Vater Wolfgang ist Bergführer und startete selbst früher bei manchen Rennen – war er schon als Kind immer in den Bergen unterwegs, relativ bald mit der Einstellung, diese möglichst schnell erklimmen zu wollen. Mit dem schönen Nebeneffekt, Spaß an der Bewegung zu haben und in einer schönen Landschaft unterwegs zu sein, fand er so den Weg zum Skibergsteigen.

Als Cadet zum Deutschen Meister…

2010 Jennerstier 2010 Sieg Toni Palzer Bild Matthias Keller

Toni Palzer läuft Bestzeit bei der DM Jennerstier 2010. Foto M. Keller.

Dass dies eine gute Entscheidung war, bestätigte sich dem 16-jährigen Toni, als er mit einer Sondergenehmigung bei der Deutschen Meisterschaft Jennerstier 2010 auf der langen Strecke starten durfte und als Cadet die Tagesbestzeit mit einem Vorsprung von fast drei Minuten auf seine Verfolger hinlegte. Die Aussage im Siegerinterview: „Es is oafoch guat gonga.“ Hier gehts zum Video von damals.

Der damalige DAV-Delegierte für den Jennerstier und Verantwortliche für den Spitzensport im DAV, Matthias Keller, erinnert sich:

„Ich musste damals bei einer Hauptversammlung der ISMF eine auf den Deckel einkassieren, es könne doch nicht sein, dass ein 16-jähriger bei den Herren gewinne. Aber der Toni war einfach so motiviert und ich fand es auch großartig, dass er immer wieder betonte, er trainiere ja eh die gleichen Umfänge und er wolle sich deshalb auch mit den Erwachsenen messen. Auch weil es sonst einfach keine Konkurrenz für ihn gab. Und das war echt genial, als der kleine Bursche damals einfach das Rennen gewinnt.“

Seit inzwischen 11 Jahren (!) ist Toni ein fester Bestandteil der DAV Weltcup Mannschaft und Siegesanwärter seit Beginn. Erfolge wie der doppelte Vizeweltmeistertitel (Vertical 2015, Sprint 2017), Zweit- (2019) und Drittplatzierter (2016) im Gesamtweltcup und Sieger im Vertical Gesamtweltcup (2018) bestätigen auszugsweise, dass Toni zu den besten Allroundern der Szene gehört.

Allroundtalent führt zum Erfolg…

2016 WC Albosaggia 2016 Toni Palzer und Alex Lugger 1 Individual Foto Simone Binder LR

Für Alex Lugger war Toni Palzer immer ein Ausnahmetalent. Foto S. Binder.

Auch dem damaligen österreichischen Nationalteamtrainer Alexander Lugger ist der junge Toni Palzer relativ bald aufgefallen, erst als guter Skifahrer, dann auch schnell mal mit seiner Leistung im Aufstieg. Denn damals war das Individual noch die Königsdisziplin und die Strecken alpinistisch anspruchsvoll, als der junge Toni in die Szene einstieg:

„Sportlich betrachtet ist Toni auf jeden Fall ein Ausnahmetalent. Gerade früher hat es wenig junge richtig gute Skifahrer gegeben. Manche sind erst später so gegen 20 Jahre mit Routine und Erfahrung gut geworden, aber so ein junger Bub, der derart gut auf Skiern in Gelände steht, das hab ich eigentlich zuvor und auch danach nie mehr gesehen. Da war für mich klar, dass der das Zeug hat, ganz vorne mitzumischen, denn damals bist du nur an die Weltspitze gekommen, wenn du wirklich ein guter Skifahrer gewesen bist.“

Dabei betont Toni Palzer, dass für ihn nicht Siege das wichtigste seinen, sondern die Gewissheit, das Beste gegeben zu haben. Mit dieser Einstellung geht er auch in jedes Rennen, ohne Fokussierung auf gewisse Bewerbe sondern jedes Rennen zählt gleich, um unnötigen Druck zu vermeiden. So gesehen zählen für ihn Erfolge im Gesamtweltcup viel mehr als bei einzelnen Veranstaltungen, wo nur genau an einem Tag alles abrufbar sein muss.

„Auf und Ab’s“ machen stärker…

Toni Palzer hat zwar von Anfang an extrem früh auf einem sehr hohen Niveau Erfolg gehabt, jedoch die Bodenhaftung nie verloren. Auch mit dem Wissen, dass sportliche Erfolge vergänglich sein können und nicht immer mit der Brechstange erzwungen werden können. Das musste er vor allem 2016/17 miterleben. Gesundheitliche Probleme – er entging in diesem Jahr ganz knapp einer Herzmuskelentzündung – warfen den damals 24-jährigen noch zu Saisonanfang zurück. Mit Rang 3 beim Individual Race der Weltmeisterschaft kam er aber dann sehr emotional unter Tränen zurück, für ihn einer der wohl größten Erfolge, hinter Damiano Lenzi und Kilian Jornet. Beim SKIMO Jausenbankerl hat er die damals schwierige und durchwachsene Saison ungewöhnlich ernst analysiert. Hier der Link dazu.

Er sagt jedoch selber, dass ihn genau diese Erfahrungen verändert haben, stärker gemacht haben und gelehrt haben, mit Niederlagen umzugehen und noch härter an sich zu arbeiten, um zeigen zu können: „Der kloane Bua aus der Ramsau, der hot echt wos drauf!“

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