Der ISMF Weltcup und die Reise in den fernen Osten

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Der ISMF Skimountaineering Weltcup in China: Wie kam es überhaupt dazu, wer steht in China am Start und warum wird die einzige Übersee-Destination des Weltcups so kontrovers diskutiert.

Das Lake Songhua Resort im fernen Osten Chinas, unweit der Grenzen zu Nordkorea und Russland. Genau dort werden ab dem 20. Februar die nächsten Bewerbe des ISMF Skimountaineering Weltcups stattfinden. Nach den Stationen in Bischofshofen, Andorra und Superdévoluy/Frankreich ist die vierte Station der Weltcup-Serie also eine Übersee-Station. Nichts ungewöhnliches für einen Weltcup werden viele jetzt sagen – richtig, für den Skimountaineering Weltcup dann aber doch irgendwie.

Skibergsteigen und die Wettkampfform dessen ist weltweit gesehen praktisch nur in den klassischen Alpenrepubliken bekannt und zuhause – wären die Rennen ausschließlich dort, würde das einem Weltcup nicht entsprechen, so der Ansatz des Weltverbandes ISMF.

Warum überhaupt China?

Die Destination China war zum Zeitpunkt der Entscheidung dort hin zu gehen bestimmt keine Zufallsentscheidung, vielmehr hat die Hoffnung an eine mögliche Aufnahme in das olympische Programm bei den Spielen in Peking 2022 zur Entscheidungsfindung beigetragen. Ziemlich groß muss jene Hoffnung gewesen sein, denn es wurde ein Vertrag über fünf Jahre mit den Chinesen unterzeichnet – bis in die Saison 2021/2022 also.

So viel zu den Hintergründen, jetzt zu den aktuellen Geschehnissen:

Bereits beim ersten Weltcup der Saison in Bischofshofen konnte man aus dem Lager der Schweiz hören, dass man den Weltcup in China geschlossen auslässt und sich auf die Vorbereitung für die Heim WM in Villars konzentriert. Nach und nach wurde dann auch bekannt, dass die Franzosen die weite Reise ebenfalls nicht antreten werden. Österreich fährt mit drei Athleten (Höfl, Zugg, Herrmann) und Deutschland nur mit Toni Palzer. Auch aus Italien werden nach aktuellen Informationen nur Michele Boscacci, Robert Antonioli und Alba de Silvestro die drei Bewerbe in der Provinz Jilin in Angriff nehmen.

Die Argumente in der Heimat zu verweilen sind fast immer die gleichen: Zu hohe Kosten, der Reisestress für die Athleten und der verstärkte Fokus auf die Weltmeisterschaft – alles absolut verständliche Punkte.

Aber:

Die Kosten waren in der vergangenen Saison beim Weltcup in Wanlong ebenfalls hoch, dort aber haben diverse Verbände große Mannschaften stellen können. Außerdem kam der China-Weltcup nicht kurzfristig ums Eck, sondern stand seit der Veröffentlichung des neuen Rennkalenders fest und hätte somit auch bei den Budgetplanungen berücksichtigt werden können.

Der Reiseaufwand für die Athleten ist groß und natürlich auch ein gesundheitliches Risiko. Jetlag, Menschenansammlungen und klimatische Unterschiede belasten die sensiblen Spitzensportler definitiv. Der Reiseaufwand in anderen Sportarten aber ist oft noch viel höher und lange Flugreisen stehen im Gegensatz zum ISMF Weltcup auf der Tagesordnung.
Außerdem: Würden alle Athleten nach China Reisen, so wären die Belastung, das gesundheitliche Risiko und auch die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft am Ende des Tages wieder für alle gleich.

Den Vorwurf einer gewissen Moralflexibilität müssen sich einige Athleten und Verbände durchaus gefallen lassen – zum einen wird ständig die Weiterentwicklung und Internationalisierung vom Weltverband verlangt, andererseits möchten dann nur wenige einen solchen Schritt mitgehen.

Klar ist es diskutabel, ob ein Weltcup in China der richtige Schritt zur Weiterentwicklung des Weltcups ist, ein Boykott eines solchen Weltcups ist aber definitiv ein Schritt zurück!

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