SKIMO Austria bittet: aktuell keine Skitouren wegen Corona

Die Auswirkungen des Corona Virus bzw. COVID-19 haben uns fest im Griff. Auch die Skibergsteiger des Landes sollen sich im Klaren sein, dass es nun an der Zeit ist, solidarisch zu sein. Deshalb: bitte aktuell keine Skitouren wegen Corona unternehmen!
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  • Wolfgang Schobersberger Bild ISAG LR
  • Skimo PK 2020 Bild 20 Hold Roland LR
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Was in China begonnen hat und uns in Europa Anfang Februar mit ein paar scheinbar harmlosen Meldungen aus Italien erreicht hat, ist ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem geworden.

Die vielen Erkrankten und Toten sind der tragische Teil des Problems, der uns durch Statistiken z.B. der WHO und durch die täglichen TV-Updates deutlich vor Augen geführt werden. Die gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen sind allerdings mindestens genau so drastisch und dringen in alle Bevölkerungsgruppen vor. Unsicherheit und Befürchtungen für sich selbst und die Familie, aber auch um die berufliche Zukunft ist es bei den einen, eine lässige Wurstigkeit gepaart mit „ist eh nur eine Grippe“ Halbwissen bei den anderen.

Wir hoffen alle, dass die im Vergleich mit anderen Ländern gesehen geringen Infektions- Und Todeszahlen nicht noch explodieren. Aber auch die gesellschaftlichen Auswirkungen sollen sich nicht noch weiter zum negativen entwickeln. Die wohltuend einheitliche und entschlossene Vorgehensweise der Regierung, von Behörden und Verbänden in Österreich haben dabei sicher bisher beste Dienste geleistet und ist ein gutes Vorbild.

Die Alpinen Vereine sowie die Bergrettung ersuchen nun um Einschränkung beim Tourengehen. Im Sinne dieser Vorgehensweise bittet auch das SKIMO Austria Team, die Individualität im Sinne der Allgemeinheit vorübergehend auch am Berg einzuschränken:

Aktuell bitte keine Skitouren, Klettertouren, Hochtouren etc. unternehmen

Im Fall eines schweren Sturzes, vielleicht noch im alpinen Gelände, werden medizinische Ressourcen gebunden, die anderswo gebraucht werden. Medizinisches Personal muss dann auch mit Euch in Kontakt treten, hat aber vielleicht auch Angst um die eigene Familie zu Hause.
Und es geht auch um den Ruf unserer Sportart. Wenn alle Skigebiete zwangsgeschlossen sind und Hotels die Saison verkürzen mussten, dann ist es unpassend und ein Hohn, als Tourengeher Pisten aufzusteigen.

Und noch was: wir können auch mal Schuldzuweisungen und Fingerzeigen auf persönlicher Ebene unterlassen. Dafür lieber ein Danke oder ein Lächeln für Menschen, die aktuell das System am Laufen halten.

In ein paar Wochen wird sich die Situation sicher einfahren und entspannen, dann ist wieder Zeit für jede Form Individualismus.

DANKE für jeden Verzicht auf eine Tour dieser Tage.

 

In den letzten Tagen der Entwicklung rund um COVID-19 waren wir in unserem Büro International und National fast pausenlos in Kontakt mit Skibergsteigern überall. Beispielhaft dürfen wir drei Kommentare von heute Vormittag zum Thema abbilden:

Wolfgang Schobersberger Bild ISAG LR

Wolfgang Schobersberger

Der Direktor der ISAG in Innsbruck,  Univ. Prof. Dr.med. Wolfgang Schobersberger, praktisch allen Österreichischen Wettkampf- Skisportlern bekannt, vertritt eine klare Meinung:

„Obwohl die Situation in Tirol angespannter ist als im Rest von Österreich, geht’s beim Tourengehen nicht um eine Ansteckung. Man kann sich aber verletzen und braucht dann medizinische Ressourcen, die eigentlich für schwere COVID-19 Fälle gebunden sind. Lieber im Wald alleine spazieren gehen, das tut’s für den Moment auch. Natürlich kann man auch zu Hause oder beim spazieren gehen mit dem Hund stürzen, aber das erhöhte Risiko beim Tourengehen ist aktuell nicht vertretbar.“

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Jakob Herrmann

Heeressportler Jakob Herrmann, amtierender Österreichischer Meister im Skibergsteigen und auch international einer der besten Österreicher in unserer Sportart, hat sein Leben schon voll an die Situation angepasst. Wir haben ihn auf dem Weg zu einem Bundesheer-Hilfseinsatz ans Telefon gekriegt:

„Für mich ist es beruflich selbstverständlich, täglich meine Höhenmeter auf den Skiern zu machen. Seit dieser Woche habe ich aber die Tourenski aber im Keller gelassen, auch wir Sportler müssen uns anpassen. Heute Morgen bin ich stattdessen auf der Walze gesessen, bin jetzt auf dem Weg nach Oberösterreich, werde dort als Soldat im Lidl-Zentrallager Nachschub für die Filialen verladen und auch weitere Hilfsdienste für die Allgemeinheit verrichten. Den Österreichern kann ich raten, sich trotz der Unsicherheit in der Natur zu bewegen und zu schauen dass der Bullshit der Medien einen nicht übermannt, aber auf eher riskante Sportarten wie Tourengehen oder auch Mountainbiken zu verzichten. Lieber kann man die Zeit mit einem gemeinsamen Familienspaziergang nutzen, vielleicht dem älteren Nachbarn bei den Einkäufen helfen oder daheim ein gutes Buch lesen. Und ganz wichtig, man kann in dieser Zeit auch mal das Handy ausschalten, wo es beruflich nicht nötig ist.“

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Toni Palzer

Jenseits der Deutschen Grenze – auch dort ist das Virus angekommen und bedingt dort zeitversetzt ähnliche Maßnahmen wie in Österreich – hat uns Toni Palzer, erfolgreichster deutscher Skibergsteiger aller Zeiten, seine Einstellung geschildert:

„Ich war bis gestern in den Bergen unterwegs, habe das auch ganz bewusst in den sozialen Medien gepostet. Tourengehen ist mein Beruf, und ich will den Menschen zeigen, die Welt dreht sich weiter, es darf nicht alles stillstehen. Das ist meine Philosophie und sollte ein positiver Lichtblick bei 99% negativen Meldungen in den Medien sein. Aber was in Österreich mit Ausgangsbeschränkungen schon abgeht, kommt jetzt auch bei uns in Bayern an. Deshalb verzichte ich natürlich auch ab sofort auch auf Bergtouren, die Diskussion brauch ich nicht, setzte mich lieber auf die Walze oder laufe ums Haus. Ich denke, das wichtigste in diesen Tagen ist ein gutes Immunsystem, das man mit Bewegung, Sport und Sonne stärken soll. Und das geht auf viele Arten, denn was sind in schwierigen Zeiten schon 2, 3 Wochen ohne Berg?“

Im Sinne der drei Interviews mit Persönlichkeiten unseres Sports schauen wir alle, dass der Ball flach gehalten wird, dann werden wir gemeinsam die Corona-Zeit durchtauchen und gesund und ruhig in ein paar Wochen wieder auf unseren Bergen sitzen. Bitte jetzt  keine Skitouren wegen Corona !

Ein Zitat aus einem Mail eines Medienpartners soll die Story schließen:

„Wie heißt es so schön im Fußball –> Gesund bleiben, alles andere ist primär“

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