ATOMIC Backland Carbon – Skischuh-Spitzentechnik für den Breitensport

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  • ATOMIC Backland Carbon _ Motiv 49 _ Bild Karl Posch _ Web
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Ein neuer Touren-Schuh von ATOMIC für den modernen Breitensport ist bald verfügbar, hieß es im Herbst 2009. Der erste vertrauliche Blick auf den Prototypen war damals vielversprechend. Die Abfahrts-Performance der ATOMIC Waymaker- Serie soll drinstecken, dabei aber die Leichtigkeit der modernen Rennschuhe . Jetzt hatten wir die Gelegenheit, ein Vorserienmodell zu testen: der ATOMIC Backland Carbon durfte von uns auf Herz und Nieren getestet werden. Bewusst haben wir verschiedene Personen mit mehr oder weniger Erfahrung den Schuh über mehrere Tage probieren lassen. Hier die Ergebnisse:

 

Oberflächliches

Eins muss man gleich mal sagen: fesch ist er, der neue Backland-Schuh. In allen 4 Varianten die in der Saison 2015/16 beim Fachhändler des Vertrauens in den Regalen stehen werden, ist er ein Hingucker.
Wir konnten die stabilste, aber zugleich schwerste Variante testen, den ATOMIC Backland Carbon. Schwer? Naja,die von ATOMIC angegebenen 1.161 Gramm (Gr. 25) sind für diese Performance absolut leicht. Und jetzt gleich der erste Hammer, wir haben nachgewogen: in der praxisnahen Variante ohne Versteifungslasche wiegt der Schuh in echt nur 1.050 Gramm (!).

 

Das wichtigste, die Bewegungsfreiheit und Abfahrts-Steifigkeit

ATOMIC geht mit einem „Epic“ genannten Konzept an das Thema Beweglichkeit heran. Was gleich beim Einsteigen auffällt ist, dass der Zweischnaller eine Trennung zwischen oberer Schnalle und hinterer Verriegelungsklappe hat. Die Fragezeichen in den Augen verschwinden aber sofort nach dem Einstieg: durch die besondere Konstruktion des Schaftes und das völlige Fehlen einer Lasche kann man getrost die obere Schnalle zumachen und hat trotzdem bis auf geringe Einschränkungen die volle Bewegungsfreiheit. Dabei rutscht man gleichzeitig aber weniger hin- und her im Schuh, hat also kleinere Blasengefahr.

Was Besitzer von Rennschuhen ein Halleluja singen lassen wird ist die Tatsache, dass der Schuh eine integrierte Gamasche im vorderen Bereich hat, und zwar über die volle Höhe. Kein Schnee mehr im Schuh! Wie lang die Klettverschlüsse seitlich halten werden ist die Frage…aber da lässt sich dann sicher was basteln.

Die Beweglichkeit (ohne Versteifungslasche) ist einfach ein Traum, kaum Reibung ist spürbar, der Aktionsradius (lt. ATOMIC 74°) sehr hoch. Kommt zwar nicht ganz an Rennschuhe in der EUR 1.800,– Klasse heran, aber ist definitiv mit einem Drittel des Preises in der Oberklasse. Ganz oben! Ein Geheimnis dahinter sind wartungs- und schmierfreie Igus-Lager aus dem Rennradbau bei den Hauptgelenken an den Knöcheln. Diese fast spielfreien Lager haben dazu noch einen positiven Nebeneffekt: die schwarze Carbon-Suppe aus ausgeschlagenen Gelenken – bekannt von vielen Carbonschuhen – sollte der Vergangenheit angehören.

Im Praxistest hat sich die Beweglichkeit auf 4 Skitouren bewähren dürfen. Interessant dabei: das am Schreibtisch vorgestellte Konzept der oberen geschlossenen Schnalle beim Gehen funktioniert tatsächlich – wenn man’s denn mag. Das hat in der Realität nämlich noch einen Vorteil: moderne weite Tourenhosen müssen nicht umständlich hochgekrempelt werden, kein einklemmen, kein fluchen. Einfach am Berg den Hebel hinten zu und ab geht die Post in die Abfahrt. Auf der ersten Abfahrt kam die nächste Überraschung: das Ding ist echt steif! Schon ohne Versteifungslasche hat der Schuh sehr gute Eigenschaften, die relativ dicke Grilamid Unterschale verformt sich wenig auch bei viel Druck. Ein wirklich guter Schuh zum Abfahren. Und mit der eingesetzten Versteifungslasche kann man richtig Druck auf den Vorfuß bringen, und auch die Unterschale verformt sich dadurch weniger. Mit der schnell einsteckbaren und auch wieder entfernbaren („Quick-Click“) Versteifungslasche ist der Schuh dann wirklich super steif und man wäre versucht, ihn auch mit Pistenski zu probieren. Das geht aber leider nicht, der rückwärtige Sohlenrand ist so schmal ausgelegt, dass eine Verwendung mit einem „normalen“ Skibindungsbacken nicht empfohlen ist, nur Steigeisenbindungen passen. Also geht auch die Marker Kingpin nicht (außer mit einem kleinen Umbau).

Übrigens: theoretisch kann man auch mit der Versteifungslasche aufsteigen. Die dabei auftretende Verformung der Lasche und die dazu nötige Kraft zeigen aber schnell, warum das nur theoretisch so ist.

Spannendes Detail für die Abfahrt: durch einfaches Umdrehen der Befestigungslasche der Verriegelungsklappe mittels 2er Schrauben kann die Vorlage von 13° auf 15° erhöht werden.

 

To stink or not to stink…

Klimakontrolle in einem Plastik-Skischuh…naja, das haben schon viele versprochen. Die Realität kann man oft 100 Meter gegen den Wind riechen. Was beim „Platinum“ Innenschuh des Backland – der genau diese Kontrolle verspricht – gleich auffällt, ist die Profilierung auf der Außenhaut. ATOMIC kündigt an, dass durch die dadurch mit der Aussenschale entstehenden Lüftungskanäle eine bessere Durchlüftung passiert. Sinn macht das aber erst durch eine wirkliche Innovation: der Innenschuh ist an der Sohle perforiert wie ein Nudelsieb! Sogar die mitgelieferte Einlegesohle hat diese Löcher, eine bessere Belüftung des Fußes dadurch leuchtet ein. Damit trotzdem kein Wasser eindringt, ist der Innenschuh aber außen mit einer dünnen luftdurchlässigen Membran überzogen. Im Praxistest hat sich erwiesen, dass die Theorie tatsächlich funktioniert, das Schwitzen der Füße scheint weniger zu sein. Um wie viel, wird sich wohl erst im Lauf der Saison weisen.

Übrigens gibt es für die Backland-Schuhe jeweils 2 verschiedene Innenschuhe, beide aus Ultralon und nicht von Palau, wie beinahe der gesamte Mitbewerb. Der „Platinum“ (den wir testen durften) ist die  stabilere Ausführung und der „Platinum light“ die dünnere und leichtere Ausführung für den aufstiegsorientierten Tourengeher. Soweit so bekannt vom Mitbewerb…anders als dort sind die Innenschuhe aber bei selber Schalengröße tauschbar. D.h. dass der Tausch-Innenschuh IMMER in die bereits vorhandene Schale passt und damit auch weiterhin in die Bindung….super, da hat einer mitgedacht!

Das mit Abstand lässigste Detail ist, dass der Schuh so designt wurde, dass man ihn einfach in 30° Handwäsche waschen kann. Die Waschanleitung am Innenschuh schaut witzig aus, ist aber für Otto-Normalverbraucher eine der wichtigsten Sachen. So lässt sich das Frühlingsaroma bekämpfen.

 

Die Passform

Im Wesentlichen gibt’s derzeit 3 Systeme der Passform bei Tourenschuhen: a) die günstige Variante – nicht anpassbar b) der nach außen angepasste Innenschuh – aufgewärmter Innenschuh wird durch den eigenen Fuß nach außen auf den kalten Außenschuh verformt und c) die FISCHER Vacuumtechnik, bei der der Schuh samt Schale an den Fuß nach Innen angepasst wird.

ATOMIC geht mit der neuen „Memory Fit“ Methode einen speziellen Weg, der die Vorteile aller Methoden vereinen soll. Die Altenmarkter versprechen die beste Passform „out of the box“, die eine Anpassung garnicht erst nötig machen soll. Wenn Überbeine und sonstige Problemzonen auf den Hinterhufen eine Anpassung doch nötig machen, geht das so: in einem K-Tech-Ofen (bei ausgesuchten ATOMIC-Händlern) wird Innen- und Außenschuh auf 117°C erhitzt. Sobald ein Einsteigen mit Socken möglich ist, wird 2 Minuten lang der Schuh samt Schale auf den Fuß angepasst. Danach folgt eine Schockkühlung der Schale mit Kältepackungen, damit wird die gewünschte Form „eingefroren“. Konnten wir leider nochj nicht probieren, klingt aber logisch…der Schuh hat jedenfalls von Haus aus eine sehr gute Passform, das können 3 verschiedene Nutzer bestätigen.

 

Sonst noch wichtig

Super ist, dass alle Teile die auf der Aussenschale montiert sind, geschraubt sind. D.h. mit einem Torx-Schraubenzieher ist alles demontier- und austauschbar.

Die verwendeten Pins sind keine „DYNAFIT Quick Step In“ Pins, entsprechen aber derselben Fertigungstoleranz. In der Praxis ist der gewohnte Schlitz in den „DYNAFIT Quick Step In“ Pins nicht abgegangen…mal schauen, wie sich das in der Saison noch bemerkbar macht.

Die in 2 Varianten (Härtegraden) lieferbare Versteifungslasche für die Abfahrt (voll oder geschlitzt) ist auch ein Novum und lässt sich bei allen Modellen aus- und vertauschen.

Recht angenehm beim Ein- und Aussteigen hat sich der Kabelzug mit Haken („Cross Lace“) bei der unteren Schnalle gezeigt. Durch den Kabelzug kann der komplette Rist sehr rasch freigegeben werden und man erhält viel Raum zum Fuhrwerken…unschätzbar beim bekannten Schuhkampf am offenen Kofferraumdeckel.

Innovativ sind zweifellos auch die Fixierungsfedern an den Schnallen. Damit kann man die Schnallen auch öffnen, ohne die vorher definierte Position zu verlassen.

 

Die verfügbaren Varianten:

ATOMIC Backland (mit Kunststoffschaft)
1.150 Gramm, EUR 529,–

ATOMIC Backland Carbon (mit Carbonschaft und stabiler Unterschale)
1.161 Gramm, EUR 629,–

ATOMIC Backland Carbion Light (mit Carbonschaft, dünnerer Unterschale und dünnerem Innenschuh)
987 Gramm, EUR 659,–

ATOMIC Backland W (Damenvariante)
1.000 Gramm, EUR 529,–

 

Weitere Infos

Gibt’s unter diesem Link: http://www.atomic-content.com/backland/

 

Resümee:

Die Ankündigung von ATOMIC ist tatsächlich gelungen. Ein Schuh für den ambitionierten Amateursportler, der im Verhältnis Gewicht/Beweglichkeit/Fahrperformance/Preis keinen Vergleich scheuen muss. Bergführer, Rennläufer ebenso wie Hobbysportler…alle waren beim Test restlos begeistert.

Mit Vorschußlorbeeren ist es immer so eine Sache – vor allem bei Schuhen, die vollgestopft mit Technik sind, die versagen kann – die nun begonnene letzte Testphase der ATOMIC Backland Schuh-Serie dürfte aber tatsächlich ein ausgereiftes Produkt hervorbringen, das die Technologie der Rennklasse in den Breitensport bringt. Wir dürfen gespannt sein auf die Saison 2015/16, hier könnte ATOMIC ansatzlos kräftig am Skischuhmarkt mitmischen.

Danke an Patrick Tritscher und Matthew Manser für die Testgelegenheit!

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