Olympia Bormio – Sprintbewerb der Herren: Oriol Cardona gewinnt historisches erstes olympisches Gold im Skibergsteigen
Oriol Cardona Coll (ESP) schrieb Geschichte, indem er bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 die allererste olympische Goldmedaille im Skibergsteigen-Sprint der Männer gewann. Der zweimalige Weltmeister aus Spanien überquerte die Ziellinie 1,5 Sekunden vor Nikita Filippov (AIN), der Silber holte, während der Franzose Thibault Anselmet in 2:36,3 Minuten Bronze gewann.
Das historische Debüt des Skibergsteigens bei Olympischen Winterspielen erreichte am Donnerstag seinen Höhepunkt, als sich das Stelvio Ski Centre in Bormio in eine Bühne für Ausdauer und technische Höchstleistungen verwandelte. Unter anhaltendem, starkem Schneefall, der die 725 Meter lange Strecke bedeckte, entwickelte sich der Sprintwettbewerb der Männer vor den Augen hochrangiger Beobachter. Unter den Zeugen dieses neuen olympischen Kapitels befanden sich IOC-Präsidentin Kirsty Coventry sowie zahlreiche IOC-Mitglieder. Gemeinsam mit der Präsidentin des Internationalen Skibergsteigerverbands (ISMF), Regula Meier, verfolgten sie, wie die Elite des Sports um die ersten Goldmedaillen der Geschichte kämpfte.
Die Vorläufe
Zum Auftakt stellten sich 18 Elite-Athleten in drei hochintensiven Qualifikationsläufen dem Kampf um den Einzug ins Halbfinale auf einer Strecke mit 70 Höhenmetern im Auf- und Abstieg.
Im ersten Lauf setzte Spaniens Oriol Cardona Coll mit einer Zeit von 2:37,96 Minuten eine frühe Bestmarke und führte ein Feld an, zu dem auch Belgiens Maximilien Drion du Chapois und der italienische Lokalmatador Michele Boscacci gehörten. Ebenfalls in den ersten Runden dabei waren Polens Jan Elantkowski und Norwegens Trym Dalset Lödöen.
Die Leistungsdichte zeigte sich unmittelbar im zweiten Lauf, in dem es zu einem engen Duell zwischen Nikita Filippov, Frankreichs Thibault Anselmet, Chinas Bu Luer und Australiens Phillip Bellingham kam.
Der dritte Lauf komplettierte das Starterfeld: Der Schweizer Arno Lietha und Österreichs Paul Verbnjak führten das Rennen an, gefolgt von Spaniens Ot Ferrer, Deutschlands Finn Hösch, dem US-Amerikaner Cameron Smith und Frankreichs Pablo Giner Dalmasso.
Die Halbfinals
Mit dem Einzug der besten zwölf Athleten in die Halbfinals nahm das Geschehen auf der Stelvio-Piste weiter an Intensität zu.
Im ersten Halbfinale stellte Arno Lietha seine technische Klasse unter Beweis und erzielte die schnellste Zeit der Runde. Er setzte sich knapp vor Cardona – der im letzten Wechsel etwas Probleme hatte – und Anselmet durch und sicherte sich damit einen Platz im Finale. Dahinter mussten Giner Dalmasso, Cameron Smith und Bu Luer ihre Medaillenträume in einem extrem schnellen Lauf begraben.
Das zweite Halbfinale war nicht weniger hart umkämpft: Nikita Filippov führte das Feld ins Finale, gemeinsam mit Verbnjak und Ferrer. Für Drion du Chapois, Norwegens Hans-Inge Klette und Phillip Bellingham endete hier der Wettkampf – und die Bühne war bereitet für ein Sechser-Finale um olympischen Ruhm.
Das Finale
Das Finale entwickelte sich zu einer technischen Meisterleistung und zeigte eindrucksvoll, warum Oriol Cardona Coll als bester Sprinter der Welt gilt. Im späten Abschnitt der sogenannten „Diamond“-Sektion setzte der Spanier zu einem entscheidenden, explosiven Antritt an. Mit einem perfekten Wechsel griff er die Treppenpassage am Berg mit unvergleichlicher Geschwindigkeit an. Während seine Konkurrenten auf den rutschigen, schneebedeckten Stufen nach Halt suchten, stürmte Cardona Coll kraftvoll nach oben und nahm teilweise zwei Stufen auf einmal, um das Rennen endgültig zu kontrollieren.
Er gewann in 2:34,03 Minuten die Goldmedaille. Nikita Filippov (AIN) folgte in 2:35,55 Minuten mit Silber, Thibault Anselmet (FRA) sicherte sich in 2:36,34 Minuten Bronze. Das historische erste olympische Finale komplettierten Arno Lietha auf Rang vier, Paul Verbnjak auf Rang fünf und Ot Ferrer auf Rang sechs.
Für Cardona Coll war der Sieg mehr als nur ein persönlicher Triumph: Er beendete eine 54-jährige Durststrecke Spaniens ohne Winter-Olympiagold und ist erst die zweite Person seines Landes, die bei Olympischen Winterspielen ganz oben auf dem Podium steht.
Rückblickend sagte er:
„Es ist unglaublich emotional, nach 54 Jahren wieder olympisches Wintergold zu gewinnen – das bedeutet mir sehr viel. Nicht nur für mich, sondern für ganz Spanien. Diese Medaille nach 54 Jahren nach Hause zu bringen, ist eine Ehre, und ich bin stolz darauf. Aber auch, diesen Sport bei seinem olympischen Debüt zu repräsentieren – zum ersten Mal spielen wir hier in der großen Liga. Es ist eine Freude, und ich hoffe, dass die Menschen weltweit es genossen haben und wissen, dass dieser Sport noch viel mehr zu bieten hat und ihn weiterhin von zu Hause aus verfolgen.“

Bilder und Text: ISMF Presseservice

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