Update 10.9.2019 Der Dopingfall Gerhard Tritscher

Nach wochenlangen Vorzeichen ohne konkrete Angaben ließ am 26.8.2019 die nationale Anti Doping Agentur NADA Austria die Bombe platzen: der 47jährige Gerhard Tritscher aus Ramsau am Dachstein ist des Dopings überführt worden. Und zwar lt. Pressemeldung in der Sportart Skibergsteigen.
Gerhard Tritscher Zieleinlauf ÖM 2019 Bild Philipp Reiter SKIMO Austria
  • NADA Pressemeldung 26.8.2019 Seite 1 von 2
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Das SKIMO Team hat sich bemüht, in den letzten Stunden möglichst alle relevanten Informationen zum Dopingfall Gerhard Tritscher zusammenzutragen und hier zusammenzufassen, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Update 10.9.2019: die ISMF hat in einer offiziellen Stellungnahme auf die direkte Nennung in der Causa reagiert, siehe Seite 2

Die Faktenlage

NADA Pressemeldung 26.8.2019 Seite 1 von 2

Die NADA Pressemeldung vom 26.8.2019

Es ist als erwiesen zu sehen, dass Gerhard Tritscher in der Saison 2013/14 Epo (Erythropotein, fördert die Bildung von roten Blutkörperchen) und Wachstumshormone (fördern u.a. das Muskelwachstum) verwendet hat. Dazu kommt zwischen 2015 und 2019 der Besitz von Thymosin Beta 4 (ebenfalls muskelwachstumsfördernd) und Testosteron (fördert ebenfalls den Muskelaufbau und die Regenerationsfähigkeit) in Form von Gels.

Die Entscheidung der Österreichischen Anti-Doping Rechtskommission, eine Sperre von 4 Jahren bis zum 23.8.2023 auszusprechen, basiert also nicht auf Bagatellen, sondern auf handfesten Handlungen des nunmehr gesperrten Sportlers.

Ein Resultat der „Operation Aderlass“

Die Aufdeckung der Vergehen von Gerhard Tritscher erfolgte nicht durch klassische Tests, sondern im Zuge der Ermittlungen nach der „Operation Aderlass“. Offenbar hat das Bundeskriminalamt nach der Razzia am 27.2.2019 bei der Langlauf WM in Seefeld permanent weiterermittelt und Spur für Spur verfolgt, es gab seither jede Menge an kriminalpolizeilichen Untersuchungen von Hinweisen.

Gerhard Tritscher hat bei der polizeilichen Einvernahme die nunmehr von der NADA sanktionierten Vergehen gestanden und war in der Vernehmung offenbar auch kooperativ.

Klassisches Skibergsteiger-Doping?

Bis vorgestern hat es international nur 2 eindeutig positive Dopingfälle bei Skibergsteigern gegeben. Bemerkenswert bei einer Geschichte, die mit der Gründung der Vorgänger-Organisation der ISMF, der CISAC, bis 1988 zurückreicht:

Der Franzose Patrick Blanc, Weltmeister in mehreren Disziplinen und Langstreckenspezialist, ist 2008 der Verwendung von EPO überführt und für 2 Jahre gesperrt worden. Damals in der Folge einschlägiger Ermittlungen bei der Tour de France, positiv getestet wurde Blanc bei der Patrouille des Glaciers.

Die Schweizerin Maude Mathys, ebenfalls eine der Besten der Sportart als 3. bzw. 4. bei Europameisterschaften, wurde im Frühling 2015 der Einnahme von verbotenen Medikamenten überführt. Mathys wurde nur gering bestraft. Positiv getestet wurde sie bei der WM der Skibergsteiger in Verbier.

Gerhard Tritscher wurde nun ebenfalls überführt, und zwar vergleichsweise mit extrem schweren Anschuldigungen. Und das, obwohl er bestenfalls als Amateursportler bezeichnet werden kann. Seine Ergebnisse hielten sich all die Jahre über in Grenzen. Bei national gut besetzten Rennen langte es in der allgemeinen Klasse meist nur für Ränge um Platz 15 – 20. Gute Ergebnisse gab es nur bei lokalen Kleinrennen und zuletzt bei den Masters. Bezeichnend ist, dass es seitens der zuständigen Fachverbände niemals eine Aufnahme in irgendeinen Kader, eine Entsendung oder sonstige offizielle Anerkennungen gab. Weder beim ASKIMO bis 2014 noch später beim ÖSV. Wie passt Tritscher mit den o.a. großen Nummern zusammen?
Die Antwort ist, dass das Auffliegen von Tritscher das Ergebnis einer polizeilichen Ermittlung war, nicht eines Dopingtests.

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