Interview: Ekaterina Osichkina – Das Nachwuchstalent vom Ende der Welt

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Doppelweltmeisterin, Europameisterin und in der abgelaufenen Saison zweite im Gesamtweltcup der Juniorinnen – Ekaterina Osichkina kommt ganz weit aus dem Osten und mischt in den Nachwuchskategorien die Weltelite der Skibergsteiger mächtig auf.
Im Interview erzählt die 18-jährige vom Skibergsteigen in Russland, ihren Zielen und von den Besonderheiten ihrer Heimat Kamtschatka.

Steckbrief

Ekaterina Osichkina

Geboren: 4. August 1999 in Yelizovo, Kamtschatka, Russland

Skibergsteigen seit: 2013

Größte Erfolge: Doppelweltmeisterin bei der WM 2017 in Italien

 

Wo genau in Russland kommst du her?

Ich wohne an einem der schönsten Orte auf diesem Planeten – Kamtschatka! Eine Halbinsel am äußersten Ende von Russland und relativ nah an Alaska/USA.

Das ist ziemlich weit weg vom Zentrum der Skibergsteigen-Szene. Wie gehst du mit dem erhöhten Reiseaufwand um?

So ein bisschen aus der Welt ist Kamtschatka natürlich schon, aber ich mag das Reisen und die langen Flüge machen mir eigentlich nicht viel aus. Man muss nur eine gute Beschäftigung während des Fluges finden, dann geht das schon.

Hast du eine Art „Homebase“ in Mitteleuropa, wo du während der Saison bleibst?

Die letzten Jahre bin ich immer nur für die Welt- und Europameisterschaften rüber gekommen. Dieses Jahr war meine erste, vollständige Weltcupsaison. Eine Wohnung irgendwo in den Alpen habe ich nicht, aber viele großartige Freunde, bei denen ich jederzeit wohnen kann.

Wie bist du zum Skibergsteigen gekommen? Ist es populär in Kamtschatka?

Das war mehr ein Zufall. Ich habe schon sehr Früh mit dem Langlauf begonnen, auch weil meine Mutter eine sehr erfolgreiche Langläuferin war. Sie hat mehrmals die Meisterschaften der Sowjetunion gewonnen. 2011 oder 2012 wurde sie von der Bergrettung hier in Kamtschatka gefragt, ob sie nicht bei einem Wettkampf im Skibergsteigen teilnehmen möchte. Sie hat sich überreden lassen, sofort gewonnen und sich in den Sport verliebt. Dass ich dann auch relativ schnell zum Skibergsteigen gewechselt habe, das war die logische Konsequenz.

Der Sport entwickelt sich in Russland aber leider nur sehr langsam. Kamtschatka ist die einzige Region, in der das Skibergsteigen wirklich gefördert wird. Wir haben eine Sportschule, in der Skibergsteiger aufgenommen werden, einen starken regionalen Verband und ein gutes Nachwuchsprogramm.

In welchem Verband ist das Skibergsteigen in Russland untergebracht?

Das Skibergsteigen existiert als Sparte im Bergsteigerverband. Um ehrlich zu sein hoffen wir aber, dass wir schon bald in der Lage sind, einen eigenen Verband zu gründen.

Wie ist die Unterstützung seitens des Verbandes?

Wir bekommen fast nichts!

Wie finanzierst du dann eine ganze Weltcupsaison?

Mein bisher größter und wichtigster Sponsor war immer meine Mutter. Aber auch der Regionalverband von Kamtschatka und die Sportschule hier haben mich sehr stark unterstützt.

Du bist noch sehr jung – hast du Vorbilder oder Athleten, zu denen du besonders aufschaust?

Ja, auf jeden Fall. Von den ganz großen Athleten der Sportwelt kann man sehr viel für sich selbst mitnehmen. Mit großem Respekt schaue ich auf zu Pelé, Usain Bolt, Walerie Charlamow, Ole Einar Bjoerndalen, Stina Nilsson, Laetitia Roux, Kilian Jornet und natürlich auch zu meiner Mutter. Ich könnte diese Liste noch lange fortführen, weil es sehr viele Sportler gibt, die ich bewundere.

Welche Ziele hast du für die Zukunft?

Ich denke das größte Ziel eines jeden Sportlers ist Gold bei Olympischen Spielen. Ob und wann das für mich und auch generell für unseren Sport möglich wird, das steht noch in den Sternen.

Sprechen wir über deine Heimat Kamtschatka: Wie ist das Leben an so einem abgeschiedenen Ort?

Kamtschatka ist wirklich sehr abgelegen und nicht immer der einfachste Ort zum Leben. Wir haben sehr lange Winter und außer Fisch und Beeren im Sommer nicht besonders viel, das uns die Natur hier gibt. Die Städtchen sind sehr klein und man kennt sich auf den Straßen. Viele Leute besuchen uns hier und sind neidisch, dass wir an so einem wunderschönen Ort leben – die sollten mal das ganze Jahr hier sein. Im Winter hat es an vielen Orten bis zu zwölf Meter Schnee!

Wie sind die Trainingsbedingungen für dich in Kamtschatka?

Schnee haben wir mehr als genug, aber im Vergleich zu den Alpen ist es schon ein bisschen anders. Viele Berge sind eher flach und die meisten Berge sind Vulkane. Dafür haben wir aber überall heiße Quellen, das ist gut für die Regeneration.

Ist Kamtschatka generell eine gute Destination zum Skibergsteigen?

Ja und nein – natürlich haben wir sehr lange Winter und viel Schnee, aber die großen Berge sind sehr weit von den Städten entfernt und das Wetter ist oft unberechenbar und sehr harsch. Die Skisaison geht normal bis Juli.

Die Bären auf Kamtschatka gehören neben jenen in Alaska zu den größten der Welt, hast du schon mal einen getroffen?

Ja das stimmt, hier gibt es tatsächlich sehr viele und große Bären. Im Vergleich zu den sibirschen Bären aber sind die Kamtschatka-Bären sehr friedlich. In Jahren mit wenig Fisch in den Flüssen kommen die Bären oft in die Orte, da kommt es auch hin und wieder zu Begegnungen mit Menschen. Diese gehen aber meist glimpflich aus. Nahe meines Heimatortes war letzten Herbst ein junger Bär. Ich war mit meiner Mutter und unserem Hund beim Laufen, als der Bär plötzlich 50 Meter vor uns aus auf dem Weg stand. Unser Hund hat ihn verscheucht und wir konnten ohne Probleme unser Training fortsetzen.

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